Sucht, Abhängigkeit therapieren

Suchterkrankungen sind weit verbreitet. Anfangen kann das mit einer Zuckersucht, Tabaksucht, Spiel- oder Alkoholsucht und so weiter. Drogen- und Cannabis-Abhängigkeit sind ebenfalls weit verbreitet und hier werden in der Medizin Wege und Mittel gesucht, um Suchterkrankungen und Abhängigkeiten möglichst patientengerecht zu behandeln.

Durch einzelne herkömmlichen Medikamente können zwar in manchen Fällen Erfolge verzeichnet werden, jedoch treten diese Erfolge regelmäßig mit Nebenwirkungen einher.

Immer mehr Patientinnen und Patienten berichten, dass ihnen medizinisches Cannabis dabei hilft, den Konsum deutlich schädlicherer Substanzen wie Alkohol, Benzodiazepinen oder Opioiden zu reduzieren. Dennoch wird der Einsatz von Cannabis in der Suchtbehandlung bis heute kontrovers diskutiert. Häufig stehen dabei moralische Bewertungen im Vordergrund – während die tatsächlichen Bedürfnisse und Erfahrungen Betroffener zu wenig Gehör finden.

Aus Sicht vieler Patient:innen ist Sucht kein isoliertes Problem, sondern eng verknüpft mit chronischen Schmerzen, Schlafstörungen, Angstzuständen oder traumatischen Erfahrungen. Substanzen werden nicht selten genutzt, um diese Belastungen überhaupt ertragen zu können. Wenn eine ärztlich begleitete Cannabistherapie dazu beiträgt, Symptome zu lindern und den Rückgriff auf riskantere Substanzen zu verringern, kann dies für Betroffene ein wichtiger Schritt in Richtung Stabilisierung sein.

Cannabinoide wirken bei manchen Menschen angstlösend, schlaffördernd und stimmungsstabilisierend. Diese Effekte können helfen, typische Rückfallauslöser wie Stress, innere Unruhe oder Schlafmangel besser zu bewältigen. Für einige Patient:innen bedeutet dies konkret: weniger Alkohol, weniger sedierende Medikamente, weniger Eskalation im Konsumverhalten. Nicht als „Ersatzdroge“, sondern als therapeutisch eingebettete Maßnahme im Rahmen eines ärztlich begleiteten Behandlungsplans.

Gleichzeitig ist wichtig zu betonen: Cannabis ist kein Wundermittel und nicht für jede Person geeignet. Auch hier gibt es Risiken und Nebenwirkungen, insbesondere bei psychischer Vulnerabilität. Eine Cannabistherapie in der Suchtbehandlung sollte daher immer individuell geprüft, fachlich begleitet und in ein umfassendes therapeutisches Gesamtkonzept eingebettet sein – idealerweise kombiniert mit psychosozialer Unterstützung und ggf. psychotherapeutischer Begleitung.

Für eine zeitgemäße, patientenorientierte Suchtbehandlung braucht es mehr Offenheit für differenzierte Lösungsansätze. Die Frage sollte nicht lauten, ob Cannabis „moralisch vertretbar“ ist, sondern ob es einzelnen Betroffenen konkret hilft, schädlicheres Konsumverhalten zu reduzieren, Stabilität zu gewinnen und Lebensqualität zurückzugewinnen. Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass dies für manche Patient:innen der Fall ist.

Eine sachliche, vorurteilsfreie Auseinandersetzung mit dem therapeutischen Potenzial von Cannabis in der Suchtbehandlung ist daher notwendig. Nicht als pauschale Empfehlung, sondern als zusätzliche Option für ausgewählte Patient:innen – im Sinne einer modernen, realitätsnahen und menschenwürdigen Versorgung.

CBD (Cannabidiol) ist ein nicht-psychoaktives Cannabinoid, das aus der Hanfpflanze gewonnen wird und bei einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen eingesetzt werden kann. In Bezug auf Suchterkrankungen, gibt es einige Forschungen, die darauf hindeuten, dass CBD helfen könnte, Entzugserscheinungen zu lindern und den Konsum von Suchtmitteln zu reduzieren.

Eine Möglichkeit, wie CBD in einer Cannabistherapie helfen könnte, ist durch die Aktivierung des Endocannabinoid-Systems (ECS). Das ECS spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Neurotransmittern, die mit Belohnung und Motivation verbunden sind. Studien haben gezeigt, dass CBD das ECS aktivieren und dadurch die Freisetzung von Dopamin und anderen Neurotransmittern modulieren kann, die bei der Entstehung von Sucht eine Rolle spielen.

Darüber hinaus wurde in einigen Studien beobachtet, dass CBD bei der Linderung von Entzugserscheinungen von Opiaten, Alkohol und Nikotin helfen kann. Diese Entzugserscheinungen können sehr unangenehm sein und führen oft dazu, dass Betroffene wieder zur Suchtmittel greifen. CBD kann hierbei helfen, indem es Entzündungen im Körper reduziert und die Stressreaktionen reguliert, die oft mit Entzug einhergehen.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass CBD nicht als alleinige Behandlung von Suchterkrankungen angesehen werden sollte. Es kann jedoch in Verbindung mit anderen Therapien wie kognitive Verhaltenstherapie oder Medikamenten eingesetzt werden. Eine Cannabistherapie sollte immer von einem qualifizierten Arzt oder Therapeuten überwacht werden.

Wenn ich durch die Literatur von Dr. med. Franjo Grotenhermen durchblättere, dann finde ich einige studienbasierte wissenschaftliche Hinweise über die Eignung von Cannabis als Substitutionsmittel für die Suchtbehandlung einer Drogen- oder sogar einer Cannabis-Abhängigkeit!

Ich zitiere zum Thema aus mehreren Fachbüchern zu Medizinalcannabis:

Cannabidiol (CBD)
Ein cannbishaltiges Compendium
Cannabidiol – CBD: Ein cannabinoidhaltiges Compendium

„Grundlagenforschung mit Tieren sowie eine klinische Studie deuten auf ein therapeutisches Potenzial von CBD bei Abhängigkeit von THC, Nikotin und Opiaten mit entsprechenden Entzugssymptomen hin. CBD könnte nach einer tierexperimentellen Studie auch die positiven Wirkungen von THC beim Entzug von Opiaten verstärken und auf diese Weise die Abstinenz von Opiaten erleichtern.“

Cannabidiol CBD Ein cannabishaltiges Compendium – Dr. med. Franjo Grotenhermen, Markus Berger, Kathrin Gebhardt


Die Behandlung mit Cannabis und THC - Medizinische Möglichkeiten, Rechtliche Lage, Rezepte, Praxistipps

„Auch wenn die Risiken für eine Abhängigkeit so hoch wie bei chronischen Freizeitkonsumenten* wären, ist die therapeutische Verwendung bei der Linderung schwerwiegender Symptome chronischer Erkrankungen ohne Zweifel gerechtfertigt.“

Die Behandlung mit Cannabis und THC – Medizinische Möglichkeiten, Rechtliche Lage, Rezepte, Praxistipps
– Dr. med. Franjo Grotenhermen, Dr. rer. nat. Britta Rechendrees

*Das Potenzial für eine Cannabisabhängigkeit eines Freizeitkonsumenten liegt bei zwei bis zehn Prozent.


Cannabis und Cannabinoide in der Medizin - Grotenhermen und Müller-Vahl
Cannabis und Cannabinoide in der Medizin – Grotenhermen und Müller-Vahl

„Wegen des im Vergleich zu anderen legalen und illegalen Drogen vergleichsweise geringen Abhängigkeitspotential stellen Cannabis und andere cannabisbasierte Medikamente interessante Ersatzsubstanzen für eine Substitutionsbehandlung dar.
Es gibt Hinweise darauf, dass cannabisbasierte Medikamente auch sinnvoll in der Behandlung einer Cannabisabhängigkeit eingesetzt werden können.“ 

Die „Cannabis als Substitutionsmittel“-Beratung gibt es hier!

Melde Dich bei mir für direkte Beratung oder nutze denn Kurs!


Das dürfte Dich auch interessieren:

Therapie

Cannabis-Patientenausweis: Brauche ich ihn wirklich?

Viele Patientinnen und Patienten fragen sich, ob sie im Alltag einen Nachweis [...]

Prozess, Therapie

Wie bekommt man ein Cannabis-Rezept in Deutschland?

Medizinisches Cannabis kann für manche Patienten eine wichtige Therapieoption sein, wenn andere [...]

Entwicklung, Gemeinnützige Aufklärung

Medizinisches Cannabis 2026: Zwischen Importboom, Rezeptdynamik und wachsendem Schulungsbedarf

Der deutsche Markt für medizinisches Cannabis befindet sich im Jahr 2026 in [...]

Gemeinnützige Aufklärung

Cannabistherapie im Wandel: Warum Aufklärung in Deutschland entscheidend ist

Die jüngste öffentliche Anhörung im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages zeigt deutlich: Medizinisches [...]

Führerschein

Cannabis & Führerschein: Fahreignung, MPU und was Patient:innen wissen müssen (2026)

Darf man mit medizinischem Cannabis Auto fahren? Was gilt bei Cannabis und [...]

Gemeinnützige Aufklärung

Cannabis-Schulung & Aufklärung: Kostenlose Online-Kurse für Patient:innen, Apotheken & Pharma

Der Informationsbedarf rund um medizinisches Cannabis wächst stetig – bei Patient:innen, in [...]

Melde Dich an und optimiere
Deine Cannabistherapie!

>